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Energieversorger öffnet sich am Bodensee, in Oberschwaben und darüber hinaus...
Die neuen Stadtwerke Bodensee erobern die Region
Energieversorger öffnet sich am Bodensee, in Oberschwaben und darüber hinaus
Von Ralf Schäfer
Bodenseekreis Die Technischen Werke Friedrichshafen (TWF) und die Stadtwerke Überlingen (Swü) werden eine neue Gesellschaft, die Stadtwerke Bodensee, gründen. Im Juni/Juli sollen die Verträge unterzeichnungsreif sein, die Gesellschaft wird dann rückwirkend zum 1. Januar 2012 ins Leben gerufen.
Nach einstimmigem Votum der beiden Aufsichtsräte von TWF und Swü am vergangenen Dienstag traten gestern die Oberbürgermeister der Städte Friedrichshafen und Überlingen, Andreas Brand und Sabine Becker, als Vertreter der Gesellschafter und Vorsitzende der Aufsichtsräte an die Öffentlichkeit, um diesen zukunftsweisenden Entschluss zu verkünden.
Werdegang einer Erfolgsstory
Zu Beginn des Jahres hatte Sabine Becker das Gespräch mit OB Brand gesucht, um politische und wirtschaftliche Inhalte zu thematisieren, um über künftige Zusammenarbeit und regionale Kooperationen zu sprechen. Sowohl Swü wie auch TWF befinden sich zu diesem Zeitpunkt im Aufwind, gewinnen an Bedeutung und haben ihre Positionen als kommunale Stadtwerke gefestigt. Aus dem losen Gespräch habe sich dann eine Struktur entwickelt, die der Frage nachging, wie weitergehende Zusammenarbeit zwischen den beiden kommunalen Energieversorgern aussehen könne. In vielen Bereichen und Ebenen gibt es bereits Kooperationen.
Nach kurzer Zeit werden in der ersten Jahreshälfte 2011 die Aufsichtsräte eingebunden. In den Unternehmen werden leitende Mitarbeiter an dem Prozess beteiligt, die beiden Arbeitnehmervertretungen sind involviert und reden mit und es kristallisieren sich vier mögliche Wege heraus, die erörtert werden. Zum einen werden Chancen und Risiken einer gemeinsamen Netzgesellschaft, zum anderen einer gemeinsamen Vertreibsgesellschaft, eines gemeinsamen Mess- und Abrechnungswesen oder schließlich der Neugründung einer gemeinsamen Gesellschaft untersucht. Zahlen, Daten und Fakten werden gesichtet, analysiert und nach der Sommerpause steht im Ergebnis fest, dass die Neugründung einer gemeinsamen Gesellschaft den weitestgehenden Profit für die Gesellschafter wie auch die Unternehmen mit sich bringe und diese Lösung die größte Wertschöpfung vor Ort sichere.
Es schließen sich Klausurtagungen an, bei denen Details besprochen werden, bei denen bestimmt wird, dass es bei einer Neugründung keine Entlassungen von Personal geben wird, dass die neue Gesellschaft im kommunalen Arbeitgeberverband bleiben wird und dass die Tarife bestehen bleiben.
Auch werden die beiden Standorte Friedrichshafen und Überlingen erhalten bleiben. In Friedrichshafen wird die Verwaltung der Stadtwerke Bodensee sitzen, in Überlingen wird die Gesellschaft ihren operativen Sitz haben und damit juristisch angebunden sein.
Geschäftsführer der neuen Gesellschaft werden als Vorsitzender der Geschäftsführung Alfred Müllner und als Geschäftsführer Klaus Eder, die beiden, die auch heute schon als Geschäftsführer von TWF und Swü aktiv sind. In beide setzen die Gesellschafter großes Vertrauen und zeigen sich sicher, dass die Zusammenarbeit funktionieren wird.
Auch der Vorsitz im Aufsichtsrat soll von den Oberbürgermeistern gehalten werden, hier wechseln die beiden im Zwei-Jahresrhythmus ab. Den Beginn wird Sabine Becker machen, Andreas Brand wird ihr Vertreter, und Bericht erstatten werden die Geschäftsführer grundsätzlich beiden. Bis zur Kommunalwahl 2014 sollen die bestehenden Aufsichtsräte weiterarbeiten, hier wird Überlingen durch elf und Friedrichshafen durch 14 Mitglieder vertreten. Danach soll es einen neuen Aufsichtsrat mit insgesamt 18 Mitgliedern geben.
Das Gewerbesteueraufkommen wird gemäß der Beteiligungsverhältnisse verteilt. Hier hält Friedrichshafen nach derzeitigem Planungsstand 74,9 Prozent, Überlingen 25,1 Prozent. Diese Quote wird in den nächsten Monaten durch eine Unternehmensbewertung genau festgelegt. Die beiden Oberbürgermeister sind sich über die Erfolgsmöglichkeiten dieses Konstrukts einig: „Strategisch passt das wunderbar zusammen, und unter dem Strich zählt nicht, wer größer ist, sondern wer zu den Besten gehört. Und das können die Stadtwerke Bodensee schaffen“, kommentiert OB Brand. Seine Kollegin aus dem westlichen Bodenseekreis dazu: „Wir schaffen symphatische Stadtwerke, wettbewerbsfähige Angebote sowie eine starke Marke für die Region Bodensee, Oberschwaben und darüber hinaus.“
Zahlenspiele
Die neue Gesellschaft würde, so OB Brand, einen Jahresumsatz nach derzeitigem Stand der Dinge von rund 200 Millionen Euro Umsatz zu Papier bringen. Die Umsatzerlöse der TWF betragen 2010 rund 159 Millionen Euro, die der Swü liegen bei 24,9 Millionen Euro. In den Umsatzerlösen sind Strom- und Erdgassteuer abgezogen.
Quelle: www.schwaebische.de, 22.12.2011 18:25